„Frage Migration! – Erkenntnistheorien, Argumente, Modelle, Paradigmen“- Call for Papers zum 9. Deutschen Archäologiekongress in Mainz am 4.07.2017
Les migrations. Foto: Jodi Green. https://www.flickr.com/photos/jodigreen/9596651970/. CC BY-NC-ND 2.0

Les migrations. Foto: Jodi Green (https://www.flickr.com/photos/jodigreen/9596651970/); CC BY-NC-ND 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/).

Wir laden Euch herzlich ein, an unserer Sektion in Mainz teilzuhaben und teilzunehmen und freuen uns schon auf Eure spannenden Vorträge und Diskussionen. Diesmal widmen wir uns der „Frage Migration!“
Migration – Integration – Kulturtransfer – Hybridität – Globalisierung – Ausgrenzung: Der Diskurs über kulturelle Kontakte, die Auseinandersetzung mit »Fremden« und die damit einhergehenden Transformationen von Gesellschaften ist mittlerweile ein Themenfeld, dessen Aktualität heute nicht augenscheinlicher sein könnte. Das Thema Migration ist zurück im politischen Diskurs und genauso in der Archäologie. Nach einer langen Periode, in der eher lokale und interne Prozesse prähistorischer und antiker Kulturen erforscht wurden, kam 2014/15 mit einem Paukenschlag das Thema zurück in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit der archäologischen Forschung. Auslöser waren u. a. Beiträge aus den bioarchäologischen Disziplinen, die im Titel Schlagworte wie »massive migration«, »tracing the dynamic life story« und ähnliches führten. War massenhafte Migration also doch ein bedeutendes Element prähistorischer Kulturen? Und können wir sie endlich beweisen?
Die aktuellen Migrationsbewegungen nach Europa haben vielschichtige Hintergründe und sie werden kontrovers erlebt. Es ist anzunehmen, dass vorgeschichtliche Bevölkerungsverschiebungen nicht weniger komplex waren. Mit dem aktuellen Call-for-Papers wollen wir zu einer fundierten theoretischen Diskussion des Themenfeldes »Migration« aufrufen. Es geht uns weniger um die Frage, ob es prähistorische Wanderbewegungen gab, als um die theoretischen Konzepte die hier wirksam werden. Welche anderen Analysekategorien und Interpretationsansätze wurden dafür gerade ad acta gelegt? Was bedeutet(e) Migration für die Realität der Akteur*innen? Mit welchen Argumenten kann »Migration« von anderen Phänomenen des Kulturkontakts unterschieden werden? Ist das überhaupt sinnvoll? Müssen mit dem Thema »Migration« auch andere Narrative wie die der Indo-Europäer, von klar definierten Kulturgruppen, die wandern, von Landnahmen und ähnlichem zurückkehren? Oder haben wir nicht auch die Möglichkeit, mit dem neuen Instrumentarium der Bioarchäologie andere Modelle zu entwickeln? Ein Aspekt ist sicher auch die Frage nach den Gewichtungen Geistes- und naturwissenschaftlicher Argumente, und was genau meinen eigentlich Begriffe wie »Migration« oder »Abstammung/ancestry« in diesen Disziplinen. Welche Zeit-, Raum- und Identitätsvorstellungen verbergen sich hinter unterschiedlichen Migrationsmodellen dieser Disziplinen? Und lässt sich damit etwa auch das Zusammenwirken von räumlicher und sozialer Mobilität fassen?
Wir erhoffen uns damit kritische Reflexion und eine stärkere wissenschaftstheoretische Untermauerung eines der momentan spannendsten Themen im Fach.
Vortragsthemen mit einem Abstract von 300 bis 500 Zeichen können bis zum 20.03.2017 an vorstand[at]agtida.de gesendet werden.
Den CfP zum Download gibt es auch hier: CfP TidA – Frage Migration.